Donnerstag, 17. September 2009

Krank sein.

Wenn man ein fremdes Land besucht, soll man ja möglichst viel ausprobieren. Deshalb hab' ich mir ne leichte Mittelohrentzündung (Symptome: Rechtes Ohr so voller Ohrenschmalz, dass man nix mehr hört; ein wenig Schmerzen) geholt, um das weltberühmte amerikanische Gesundheitssystem genießen zu dürfen. Das lief dann folgendermaßen ab:

Nachdem ich bemerkt habe, dass ich auf dem rechten Ohr nicht mehr wirklich höre, habe ich mir in einer Apotheke ein kleines "Do-It-Yourself" Paket zum Ohrausspülen gekauft, um einen Arztbesuch zu vermeiden. Nach einer erfolglosen halben Stunde ausspülen mit diesem Kit und einer erfolglosen halben Stunde ausspülen mit der Duschbrause tat mir mein Ohr irgendwie mehr weh. Da habe ich beschlossen, einen Arzt aufzusuchen. In den USA hat ja nicht jeder Krankenversicherung, wir aber schon und deshalb dachte ich, da nimmt mich jeder Arzt mit Handkuss!
Wie bekommt man einen Termin bei einem Arzt? Naja, man ruft einfach mal an! Also erstmal nach HNO Ärzten gegoogelt. (Die heissen in den USA übrigens "ear, nose and throat doctor", also "Ohren, Nasen und Hals Arzt". Verquere Welt.)
Die erste, so richtig unfreundliche Sprechstundenhilfe hat mir gesagt, dass ich bei ihnen selbst zahlen muss, weil sie meine Versicherung nicht akzeptieren. Ich könne dann versuchen, das Geld selbst von der Versicherung zurückzubekommen. Auf meine Nachfrage, wie ich denn einen Arzt finden könne, der meine Versicherung akzeptiert, meinte sie, ich solle bei der Versicherung anrufen.
Klang irgendwie logisch, also hab' ichs gemacht.
Die von der Versicherung haben mir dann eine Liste von 5 Ärzten (von denen 2 doppelt auf der Liste waren) gemailt, die meine Versicherung akzeptieren und irgendwie (Radius 10 Meilen) in der Nähe von der Uni sind.
  1. Anruf: Frühester Termin Dienstag nachmittag. Doof. (das ganze hat sich am Mittwoch, also gestern, abgespielt)
  2. Anruf: Versicherung nicht akzeptiert. Aha. Hatte ich die Nummer nicht von meiner Versicherung?
  3. Anruf: Wissen nicht ob sie die Versicherung akzeptieren. Ich solle am Freitag nochmal anrufen.
  4. Anruf: Versicherung nicht akzeptiert.
Die 5. Nummer hab' ich dann nicht mehr probiert, sondern wieder bei meiner Versicherung angerufen. Die haben mir 5 neue Namen geschickt und mich darauf hingewiesen, dass ich auf der Versicherungswebsite auch selbst nach Ärzten suchen kann, die meine Versicherung akzeptieren. Das hätten sie mir auch beim ersten Anruf sagen können. Hab' dann selbst gesucht, und die 3. oder 4. Praxis die ich angerufen hatte, hat meine Versicherung tatsächlich akzeptiert und hatte obendrein noch einen Termin für heute (also Donnerstag) für mich. Nachdem ich mittlerweile 2 Stunden versucht hatte einen Arzttermin zu bekommen, konnte ich mein Glück kaum fassen und hab' mich, den Freudentränen nahe, bei der Frau am anderen Ende der Leitung bedankt und mir meinen Versicherungsausweis ausgedruckt. Voll cool.
Heute morgen bin ich dann mit der U-Bahn runter zur 96sten gedüst und von dort zur 90sten&Columbus gelaufen, wo meine Superpraxis war. Zum Glück war ich zu früh, denn ich musste mich ca. 20 Minuten durch alle möglichen Formulare wühlen.
Wiederkehrendes Motiv: Geld! Was mich beim Ausfüllen unterhalten hat: Überall musste man neben Patient noch einen anderen Namen schreiben (ich glaub' für die Eltern von Kindern oder wenn man entmündigt wurde, also Vormund vermutlich) und das Verhältnis zum Patienten. Ich hab' überall meinen Namen zwei mal reingeschrieben und bei Relationship "same person". Das wird die Clowns in der Verwaltung sicher zum Lachen gebracht haben. Haha.
Was mich beim Warten unterhalten hat: Da lief "The Big Bang Theory" im Wartezimmer! Aber nachdem ich alles ausgefüllt hatte wurde ich leider ziemlich schnell ins Behandlungszimmer gerufen. Eine nette Ärzten, die mindestens 4 Diplome auf die Wände von mindestens 2 Zimmern verteilt hatte, hat mir dann 20 Minuten lang das Ohr ausgesaugt und mir eine kleine Packung mit Ohrentropfen geschenkt. So wie ich meine Ohren kenne werde ich die gute Frau in den nächsten 9 Monaten nochmal sehen.

Insgesamt fand' ich den Arztbesuch (bis auf das Ohrenaussagen) ziemlich angenehm, also keinesfalls schlimmer als bei uns. Die Leute waren alle recht nett und meine Versicherung ist glaube ich, wenn sie akzeptiert wird, nicht schlecht: Ich musste nichts zahlen und die Sprechstundenhilfe meinte auch, ich würde keine Rechnung bekommen. Das schlimmste scheint die Suche nach einem Arzt zu sein. Ich hab meinen Versicherungsausweis übrigens beim Arzt vergessen. Aber egal, ich druck mir einfach einen neuen.

Was ist sonst passiert? Simon und ich haben unsere Wäsche aus Faulheit Zeitmangel in die Reinigung gebracht (16$, ca. 10.8€ für unser beider Wäsche, finde ich gar nicht so teuer). Die Wäsche wurde da sogar gebügelt und zusammengelegt und mein Plan, die zu großen Yankee T-Shirts einschrumpfen zu lassen hat perfekt funktioniert!

Schlusslicht: Bin ich der einzige, der beim Anblick dieses Steckdosenadapters an Jack Sparrow denkt (der Bart!!)? Vermutlich ja, dabei hab' ich die Filme nichtmal gesehen.

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