Montag, 30. November 2009

Dollarkurs


Stipendienzusage: Ich gehe höchstwahrscheinlich in die USA - der Dollar sackt ein. Er erholt sich.
Ich schicke meine Bewerbungen ab, mein Auslandsaufenthalt wird immer sicherer - der Dollar wird schwächer. Er erholt sich ein wenig.
Ich werde von der Columbia University akzeptiert - seitdem fällt der Dollar stetig.
Ich komme in den USA an - der Dollar wird schwächer.

Zufall?

Freitag, 27. November 2009

Macy's Thanksgiving Parade

Gestern (also Donnerstag) war Thanksgiving. Das ist in den USA ein großer Feiertag, bei dem zelebriert wird, dass die Indianer den ersten Siedlern über den Winter geholfen und dafür Decken mit Grippeviren bekommen haben (Quelle: Aaron).
Kombiniert man diese Dankbarkeit mit der wundervollen Wirtschaftsordnung Kapitalismus bekommt man Macy's Thanksgiving Parade: Der Spielzeugladen organisiert jedes Jahr eine große Parade mit riesigen Luftballons, Marschkapellen und Themenwägen.
Unter den Zuschauern: Ich! (hier hätte dieser Eintrag eine überraschende Wendung nehmen können)

Die Parade ist von 9-12, deshalb habe ich mich extra um 8:15 aus dem Bett gequält. Im Halbschlaf gabs dann die erste Erkenntnis des Tages: Parität ist keine exakte Symmetrie meiner Unterhose (in Nicht-Teilchenphysiker Jargon: Ich habe sie falschrum angezogen, dann aber den Unterschied gemerkt). Um diese Erkenntnis reicher bin ich dann locker flockig 70 Blocks südlich geradelt, wo die Parade losgeht: 77ste St & Central Park West.[BILD FEHLT] Da ich da von Westen irgendwie nicht rangekommen bin, bin ich auf Höhe der 85ste Straße in den Central Park rein und wieder südlich gelaufen. Auf Höhe der 77sten Straße bin ich über eine Mauer geklettert und stand dann da, wo die Marschkapellen sich für die Parade vorbereitet haben. Ich habe mich ruhig verhalten und an eine Absperrung gestellt. 50m südlich von mir ging die Parade offiziell los, alle sind also an mir vorbeigekommen. Die Tanzgruppen haben aber noch nicht getanzt. Da mich nur die Ballons interessiert haben, bin ich stehengeblieben und habe fleissig fotografiert (alles vor dem Eingang des Museum of Natural History). Der nun folgende Abschnitt dieses Blogeintrags stellt diese Bilder zur Schau.

Micky Maus

Snoopy

Buzz Lightyear

Themenwagen von Gibson

Angeblicher Star auf diesem Themenwagen (mir nicht bekannt; ich glaube sowas wie der amerikanische Rolf Zuckowski)

Mr. Peanut (Erdnuß-Industrieller) in seinem Auto, gefolgt von Elefant (Name unbekannt)

Themenwagen, der in dem Moment des Fotos den Wagen mit dem Stern gestreift hat (man beachte die Hinterreifen des hinteren Wagens und die Blicke der Leute)

Schlumpf

Hello Kitty Katze (der Kerl vorne hat sich ungefähr 20 mal mit dieser Geste fotografieren lassen und 10 mal "LETS HAVE A PARADE!!" geschriehen)

Dora The Explorer (laut Ansager "everyone's favorite explorer"; der arme Kolumbus)

Kerl aus rohem Teig

Ziemlich hässliche weinende Figur

???

Cheerleader

Und natürlich muss eine amerikanische Parade Ende November mit dem Weihnachtsmann enden (offizieller Name "Santa Claus")

Unterschätzte Wägen in der Parade

So zog sie also dahin, die 83ste jährliche Macy's Thanksgiving Parade.

Auch ich zog dahin: Vorbei an Ballons, die sich in Bäumen verfangen hattenhabe ich mich zurück zu meinem Fahrrad ("ride") begeben und bin zur Uni gefahren. Am Abend war ich dann beim Thanksgivingessen meiner Übungsgruppenleiter eingeladen. Es gab keinen Truthahn, sondern mit Äpfeln gefülltes Schweinefleisch, mit Speck und (auf dem Bild noch nicht) Blätterteig ummantelt.
Packt man das lang genug in den Ofen, wirds richtig lecker. Als Nachspeise gabs Schokolade, die wir uns von einem großen Block abgeschnitten haben (nach der Coffee-Mate Geschichte schreib ichs lieber explizit dazu: NEIN, es war keine Backschokolade). Beim Versuch mir ein Stück weiße Schokolade zugänglich zu machen habe ich mich in den linken Daumen geschnitten. Das Stück hab' ich trotzdem bekommen. Ich habe nichts daraus gelernt.

Donnerstag, 26. November 2009

Versicherungstechnisches II

Erinnert ihr euch noch, was für einen Aufwand wir mit der Versicherung hatten? Nun, letztens kam eine Rechnung von der Columbia, dass wir unsere Versicherung bitte doch mal zahlen sollen (mit Mahngebühren)..Ich musste an Victor denken. Mal gucken wann die nächsten verwaltungstechnischen Probleme mit unserer Versicherung auftreten.

Mittwoch, 25. November 2009

Apollo

Heute um halb 8 dachte ich mir: "Junge, unternimm heute doch mal wieder was!". Was macht man so kurzfristig? Man fährt 5 Minuten mit dem Rad zum weltberühmten Apollo Theater in der 125sten Straße und guckt sich ein Musical an. Es lief "Dreamgirls". Die Handlung ist mit der des Films vergleichbar: Da sind vier Geschwister. Drei Frauen, ein Kerl. Soweit konnte ich mich mit der Handlung noch identifizieren. Dann trennt sich die Geschichte des Musicals allerdings von meiner persönlichen Familiengeschichte: Die Mädels werden als Sängerinnen berühmt und ihr Bruder schreibt die Songs, dann gibts Intrigen, eine Schwester verlässt die Band und macht ihr eigenes Ding und am Ende sind sie alle wieder vereint. Wer hätts gedacht! Die Geschichte war unterhaltend und bei der musikalischen Umsetzung stimme ich dieser anonymen Rezension, welche ich im Männerklo des Apollo gefunden habe, in keinster Weise zu. Es war richtig gut! (Normalerweise ist am Mittwoch "Amateur Night", werde ich mir auch noch anschauen)
Abgesehen von der Musik und Handlung: Die Stimmung war ziemlich gut, es gab sogar ein paar Zwischenrufe (die Frau neben mir hat 5 mal halblaut "yes indeeeed" gesagt wenn irgendwas emanzipiertes gesagt wurde).

Zum Abschluss noch der Link zum "Titelsong" der Dreamgirls

Dienstag, 24. November 2009

Die Hood

Ich wollte schon länger mal ein paar Fotos von meinem Nachhauseweg posten. Und zwar fahre ich jeden Tag auf dieser Brücke nach Hause. Wenn es dunkel ist hat man nen schönen Blick auf die Hochhäuser in New Jersey und die George Washington Bridge. Die Bilder können das leider nicht so gut einfangen, aber es sieht richtig schön aus!
Ansonsten habe ich heute, während ich auf meine Wäsche gewartet habe, mal ein paar Fotos von meiner Nachbarschaft ("hood") gemacht. Ich finde, die Häuser hier sehen echt schick aus!
Nach dem Fotoshoot bin ich noch kurz in den Supermarkt gegenüber gegangen und habe, nachdem es so viele Rückmeldungen zu meiner Coffe-Mate-Geschichte gab, dokumentiert WIE NAHE Coffee-Mate und Nesquik beeinanderstehen: Erschreckend.

Ach ja: Wenn ich für jedes mal wenn ich einen leckenden Hydranten sehe einen Penny kriegen würde, wäre ich inzwischen mindestens einen Nickel (= 5 Cent) reicher!

Montag, 23. November 2009

Linsenreinigung & viel zu schwere Übungsblätter

Die Linse meiner Kamera war dreckig. Was macht man da? Erstmal diskutiert man mit einem theoretischen Physiker, aufgrund welcher Beschichtungen man das ganze nicht einfach mit einem Taschentuch sauber machen darf und dann fragt man einen Experimentalphysiker, ob er einem helfen kann.
Letzterer hat mich in sein Labor geführt und die Linse mit Linsenreinigungstüchern (die heissen wirklich so und sind für Laborlinsen) und Methanol saubergewischt. Leider konnte ich kein Bild davon machen, aber hier ist es passiert:
Und weil ich schonmal da war - so schaut deren Experiment aus: (Ja, das ist Alufolie) Was die da machen? Einzelne Atome einsperren.

Abgesehen von dieser Exkursion habe ich heute einen Keks gegessen und momentan gibts irgendwie kein fließendes Wasser in der Uni. Dieser Post markiert einen neuen Tiefpunkt der Geschichte dieses blogs und wird stilgemäß beendet:

Ich weiß ja, dass die Übungsblätter für Doktorandenvorlesungen an einer amerikanischen Eliteuniversität fordernd sein sollen, aber manche Übungsaufgaben sind einfach unfair:

Freitag, 20. November 2009

the office

In unseren Büros ist immer was los. Es tobt das wahre Leben: Dinge werden berechnet, physikalische Probleme werden diskutiert, mathematische Rätsel werden erörtert usw (ihr kennt das ja alle aus eurem Alltag)..
Deshalb möchte ich die Leute, mit denen ich so viel Zeit verbringe, mal vorstellen. Ich fange in meinem Büro an:

  • In der Bürozelle neben mir sitzt Max. Er macht einen Master in "Philosophical Foundations of Physics". Er ist die einzige Person, die ich bisher kennengelernt habe, die in New York aufgewachsen ist. Er ist nicht so oft hier, deshalb weiß ich nicht was ich über ihn schreiben soll.
  • Hantao weiß alles (was mit Physik zu tun hat) und kennt alle Rechentricks. Er macht Gitterquantenchromodynamik und findet, dass seine Arbeit Selbstbetrug ist. Er will später Programmierer werden.
  • Jianglei (der Kerl) und Diedi sind zwei weitere Studenten aus China. Ich will keine Stereotypen unterstützen, aber auch sie können alles ausrechnen. Die zwei lachen die ganze Zeit wenn ich mit ihnen rede (= ich sie frage wie ich was bestimmtes ausrechnen kann). Manchmal denke ich, sie denken ich sei geistig zurückgeblieben oder so.
  • In Diedis Büro ist auch Subir. Subir kommt aus Indien und ist überzeugter Amerikaner. Er hat eine amerikanische Flagge in seinem Zimmer hängen und findet die USA sind das geilste Land der Welt. Er will theoretische Astrophysik machen. Catchphrase: "This country is awesome!" (muss man sich mit indischem Akzent vorstellen)
  • Mike kommt aus Wisconsin (USA). Er macht, wie Max, einen Master in "Philsophical Foundations of Physics". Mit ihm rede ich viel über Quantenmechanik. Wir mögen beide Quantenmechanik nicht so gern und ein gemeinsamer Feind verbindet. Er arbeitet unglaublich viel und nimmt an keinerlei sozialen Aktivitäten teil. Catchphrase: "Most americans are stupid." (muss man sich mit amerikanischem Akzent vorstellen)
  • Se Young macht Festkörperphysik und denkt in Beispielen. Das macht er ziemlich gut. Catchphrase: "Sooo what if I do this.."
  • Die drei Kerle hier sind die Experimentalphysikchiller Luke, Chris & Aaron. In ihrem Büro läuft andauernd Musik, sie haben einen Kühlschrank, eine Kaffemaschine und fetzige Dekoration. Luke hat sich vor ein paar Tagen einen Laserpointer gekauft und spielt die ganze Zeit damit. Chris humpelt irgendwie, geht aber trotzdem regelmäßig joggen. Aaron hat andauernd rote Augen weil er zu wenig schläft. Catchphrases: "That is awesome!" (Luke) & "You missed a minus sign!" (Aaron im vorbeilaufen wenn irgendwelche Leute an der Tafel diskutieren).
Manchmal (wenn ein Meeting oder ein Vortrag ist) wird den Gästen etwas zu essen serviert und die Überreste werden dann in unsere Lounge gebracht. Außerdem gibts jeden Tag um halb 4 Kaffee und Kekse für alle. Ich trinke normalerweise nicht viel Kaffee. Einmal habe ich drei Tassen getrunken. Danach war ich zwar ziemlich konzentriert, habe aber so gezittert, dass ich nicht mehr richtig schreiben konnte. Deshalb habe ich meinen Konsum auf eine Tasse pro Tag reduziert.


Abschließend: Ich dachte immer, "Product of x" bedeutet, dass irgendwas in x hergestellt wurde. Diese Packung Gummibären hat mein Leben diesbezüglich verändert und mir schlaflose Nächte bereitet. Stellen sie die einzelnen Farben in verschiedenen Ländern her? Wissen sie nicht genau, wo die Gummibären herkommen? Das sind die ganz großen Fragen, denen ich zur Zeit nachgehe.