Samstag, 31. Oktober 2009

Versicherungstechnisches & Halloween

Manchmal müssen wir uns hier im Ausland auch mit komplizierten Dingen auseinandersetzen. Thema: Krankenversicherung.
Wir sind über den DAAD versichert. Das heisst, dass wir nicht über die Uni versichert sein wollen. Blöderweise versichert die Uni aber jeden Studenten automatisch, und das kostet 1000$ pro Semester. Wenn man eine externe Versicherung hat, muss man sich von der Universicherung befreien lassen. Dazu muss man einen Antrag stellen und belegen, dass man eine äquivalente Versicherung hat. Äquivalent bedeutet unter anderem, dass man bis 01.09.2010 versichert ist. Der DAAD versichert uns nur bis 15.06.2010. Auf Nachfrage wurde unsere Versicherung deshalb verlängert und wir haben den Antrag gestellt.
Ein paar Tage später kam dann der Bescheid: Abgelehnt.
Wir sind zum Columbia Health Center gelaufen und haben nachgefragt warum. Wir müssten einen schriftlichen Nachweis bringen in dem alle Punkte die gefordert werden explizit stehen. Da wir eh noch zur Verwaltung der Graduate School mussten haben wir dort beiläufig von unserer Versicherungssituation erzählt. Uns wurde gesagt, wir brauchten uns nicht um den Nachweis zu kümmern. Sie würden uns die Versicherung einfach zahlen! Brave Stipendiaten wie wir haben natürlich gesagt: "Wir versuchen uns erstmal befreien zu lassen."
Am nächsten Tag haben wir dann eine E-Mail bekommen, dass unsere Universicherung bezahlt wurde und wir uns keinen Stress machen sollen. Schön, dachten wir, und haben dem DAAD geschrieben, dass wir deren Versicherung nicht mehr brauchen. Unsere Versicherung wurde daraufhin gekündigt.
Vor zwei Tagen haben wir eine E-Mail von Columbia Health bekommen. Die haben sich unsere Anträge nochmal angeguckt und ihnen wurde stattgegeben.
Konkret: Anstatt zwei Versicherungen haben wir keine!
(Wir haben uns gleich bei Columbia Health beschwert und sind jetzt da versichert)

Zur Zeit ist in den USA ja Halloween. Grund genug für mich, mir eine riesige Latexwunde mit Maskenkleber auf den Hals zu kleben, Kunstblut darauf (und auf meinem T-Shirt) zu verteilen und mit Freunden auf eine Party downtown zu fahren. Der Hut auf dem Bild ist nicht Teil meiner Verkleidung, sondern gehört der Hexe auf dem zweiten Bild. Erklärung zu meiner Verkleidung: "Ich wollte mich ja verkleiden, hatte dann aber einen Unfall und deshalb keine Zeit mehr mir ein Kostüm zu besorgen."
Die Location war ein Club in dem sich Mariah Carey angeblich öfter rumtreibt (Marquee, 27st & 10th). Wir haben sie nicht gesehen.
Bemerkenswert: Uhrwerk Orange scheint ein gefragtes Thema in New York zu sein. Haufenweise Droogs!Praktisch: Wegen der Getränkepreise beim Weggehen habe ich mir einen Flachmann gekauft. Jetzt kann ich meine mitgebrachte Cola heimlich nippen und muss nicht immer die teure Cola im Club kaufen.

Zurück zu komplizierten Dingen: Ich hatte diese Woche Quantenmechanik Midterm ("Zwischenklausur"). Interner Codename für meinen Aufenthalt an der Columbia University ist inzwischen: "Mission verbrannte Erde". Bin mal auf die Ergebnisse gespannt!

Sonntag, 25. Oktober 2009

Du, Helge..

..ich hab übrigens deine Fahrradlampe in meinem Rucksack vergessen. Ich hoffe Du brauchst sie nicht dringend.

Samstag, 24. Oktober 2009

American Museum of Natural History

New York ist ja hauptsächlich für Physik bekannt. Jeder kennt z.B. das "Manhattan Project", das im Keller unseres Physikgebäudes begann!
Trotzdem gibt es auch hier Museen und Unterhaltunsangebote, die nichts mit Physik zu tun haben. Eines davon ist das "American Museum of Natural History", direkt am Central Park (Höhe 79th St).[BILD FEHLT] Und genau da waren wir heute.Schon in der Eingangshalle steht ein riesiges Dinosaurierskelett, und guckt man sich die Eintrittspreise an, steht da "12$". Ganz ganz klein daneben steht "suggested donation" ("empfohlene Spende"). Ich als armer Student habe 3$ gezahlt. Das Museum bietet Naturgeschichte auf 4 Stockwerken: Es gibt Ausstellungshallen mit ausgestopften Tieren, Ausstellungen über die Entwicklung der Menschen, ihrer Sprache, Schrift und diesem ganzen Kram!
Ich glaube aber, das Museum ist hauptsächlich für den riesigen Wal bekannt, der in der "Hall of Ocean Life" von der Decke hängt (meine Kamera scheint eine schmutzige Linse zu haben). Außerdem in dieser Halle: Der epische Kampf zwischen Riesenkrake und Wal, in einem recht großen Modell nachgestellt.
Es wurde übrigens noch keine einzige Riesenkrake lebend gesichtet! Und Haie können bis zu 50 Jahre alt werden! Und Fische haben einen eingebauten Kompass!

Im vierten Stock sind fast ausschließlich Dinosaurierskelette ausgestellt: Vögel sind übrigens Dinosaurier! Also vom biologischen Standpunkt her. Und uns wird erzählt, die Dinosaurier seien ausgestorben!

Das Museum ist echt schön, viel ist "plastisch" ausgestellt (also mit Modellen und augestopften Tieren) und trotzdem sind ein Haufen Texte und Videos dabei. Ich werde da sicher noch mal hingucken! Über dem Museum ist außerdem noch ein Planetarium. Da möchte ich auch noch hin.

Auf dem Heimweg sind wir an 129 W 81st St vorbeigelaufen (na wer verbindet mit der Adresse etwas?) und haben noch kurz in einen Halloweenladen geguckt, in dem ich neben den Tierkostümen einen Cent gefunden habe! Ein schöner Tag.

Freitag, 23. Oktober 2009

Traurige Ereignisse

Man denkt ja, ein Auslandsjahr ist voller Halli Galli, Spaß und so. Dem ist nicht so. Mein derzeitiges Schicksal kann man (meiner Meinung nach) getrost als eines der Tragischsten in der Menschheitsgeschichte überhaupt bezeichnen:

Bevor ich nach New York geflogen bin, dachte ich mir: "Junge, Du wirst viel schreiben. Nimm deinen guten Bleistift mit!"
Gedacht, getan. Mein treuer Begleiter in allen Lebenslagen (die mit dem aufschreiben von Zeug zu tun haben):Bisher ist das eine rührende Geschichte der platonischen Liebe zwischen einem Mann und seinem Bleistift. Aber es haben sich Wolken am columbia-blauen Himmel dieser Mensch-Stift Beziehung aufgetan: Dadurch, dass ich so viel schreibe, muss ich auch viel radieren. Der rausdrehbare Radiergummi an meinem Bleistift ist nun schon fast zu Ende. Man sieht schon die rote Fassung des Radiergummis! Ich weiß gar nicht, was ich machen soll, wenn er einmal nicht mehr da ist. Einen neuen Radiergummi zum reinstecken gibts in dem Format hier ja nicht zu kaufen.
Anderseits wusste ich von Anfang an, dass ein Auslandsaufenthalt eine Herausforderung sein kann, und irgendwie wirds schon weitergehen..


Nun zu etwas erfreulicherem, der Energiepolitik der Amerikaner:
Letzte Woche wars in der Uni total kalt. Wir sind mit Jacken am Schreibtisch gesessen. Jetzt wurden die Heizungen angemacht und es ist überall unterträglich heiß und stickig. Was macht man da? - Ganz einfach: Klimaanlage an!

Hudson River

Wenn man von der Uni 10 Minuten läuft, kommt man an einen kleinen begehbaren Steg am Hudson River.[BILD FEHLT] Als wir heute an ein paar Integralen verzweifelt sind (falls jemand in meiner Gunst steigen will: ), sind wir dahin gelaufen, um den Sonnenuntergang anzugucken. Ist schon cool, dass man von der Uni, die sich "Mitten in der Stadt" anfühlt, nur 10 Minuten laufen muss, um an einen (für New Yorker Verhältnisse) ruhigen Ort zu kommen! Im Süden sieht man Midtown und Jersey City, im Westen mehr von New Jersey und im Norden ist die George Washington Bridge. Wenn man sich umdreht sieht man den Henry Hudson Parkway. Über diese Brückenartige Straße dahinter radel ich übrigens jeden Tag zur Uni! Die Kirche auf dem einen Bild ist übrigens die Riverside Church, die fast direkt neben der Columbia ist. Werde da sicherlich noch öfter hingehen!

Ansonsten zeigt meine konsequente Propaganda für Differentialgeometrie in der Physik erste Wirkung - bei einem Kommilitonen habe ich ein Buch mit dem Titel "Differenzierbare Mannigfaltigkeiten" entdeckt. Sein Kommentar: "I'm reading this because of you! And when I read it, I think: 'This sounds exactly like listening to Julian!' ".

Dienstag, 20. Oktober 2009

Komplimente

Wie kriegt man im Physikgebäude Komplimente? Man muss nur die richtige Kleidung tragen! Mir haben heute mindestens 7 Leute gesagt, dass ich mein T-Shirt voll cool ist. Ich entscheide mich für die Interpretation, dass ich mit meiner Kleidung im Trend liege.

Ansonsten heute passiert:
Ich habe mir eine längliche Semmel gekauft und mit Käse und Salami belegt. Kommentar eines Kommilitonen: "You can't eat that! That's not a bagel!". Ich habs gegessen. Ich bin ein unberechenbarer Draufgänger. Morgen gibts aber wieder Bagels.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Football

In den USA ist Collegesport ziemlich beliebt. Es gibt sehr viele Sportler, die nur um Football zu spielen aufs College gehen. Die bekommen dann Sportstipendien und es nicht so schlimm, wenn sie in den Kursen nicht allzu gut sind. Hauptsache ist, sie machen Touchdowns und die Unimannschaft gewinnt!

Bei den Ivy League Unis läuft das nicht so, da gehts ausschließlich um akademische Werte. Deshalb sind die Mannschaften der Ivy Leagues ziemlich schlecht. Wir wollten uns trotzdem mal ein Footballspiel unserer Unimannschaft angucken und sind dafür zum Nordende Manhattans, zur 218sten Straße getingelt,[BILD FEHLT] wo die Columbia Lions ihr Stadion haben.

Um unsere Mannschaft zu unterstützen, haben wir uns kleine Aufklebetattoos mit dem Logo der Lions (einem Löwen!) auf die Wangen geklebt. Dann gings vorbei am obligatorischen Mechandise Stand ins Stadion, wo wir echte amerikanische Collegeatmosphäre erleben durften:
  • Gleich beim Hereinkommen hat uns die hauseigene Columbia Marschkapelle (in CU Formation) mit der amerikanischen Nationalhymne begrüsst. Die halbleere Tribüne auf der anderen Seite beherbergte übrigens die Fans der gegenerischen Mannschaft, Penn State.
  • Selbstverständlich haben die Columbia Lions ein Maskottchen. Es ist - wer hätts gedacht - ein Löwe!
  • Und nachdem wir in Amerika sind, dürfen auch Cheerleader nicht fehlen.
  • Eingefleischte Lions Fans hatten natürlich super kreative, motivierende Plakate am Start (hier klicken falls man wissen will was homecoming ist)


Fehlte nur noch die Mannschaft. Wenn man so an Sportmannschaften denkt, denkt man an so um die 10 Leute. Nicht so hier. Wie sich herausgestellt ist der Spielerverschleiß beim Football sehr groß, deshalb besteht eine Mannschaft aus sehr vielen Spielern, auch wenn immer nur jeweils 11 gleichzeitig auf dem Platz sind.

Die Regeln sind während des Spiels schnell verstanden, aber zu kompliziert um sie hier zusammenzufassen. Es geht 4 mal 15 Minuten darum, den Ball hinter die "Grundlinie" der anderen Mannschaft zu bringen. Das ist dann ein Touchdown. Und ein Touchdown ist gut!

Impressionen:

Das ganze Spiel ist im Wesentlichen aus Spielzügen wie diesem aufgebaut



Nicht unumstrittener Touchdown für den Gegner (Gegner in weiß; mit anschließendem "Freistoß"; man nehme meinen qualifizierten Kommentar zur Situation zur Kenntnis; die Leute im Vordergrund in den Trikots sind alle Spieler)


Beinahe Touchdown für die Columbia Lions (hätt' der Jung des Ei mal nur gefangen!)


Marschkapelle in der Halbzeit (wer erkennt das Lied?)


Das Spiel bietet mehr Action als Baseball (zumindest wenn man die Mets als Baseballreferenz nimmt) und ich muss sagen, die ganze Atmosphäre hat einen echt mitgerissen! Leider haben wir verloren, wir wollen uns aber trotzdem noch ein paar Spiele der Lions angucken.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Klausur

Wir waren der einstimmigen Meinung, dass die Klausur viel zu schwer war. Angeblich wird dafür sehr großzügig korrigiert. Naja, wenigstens ists jetzt vorbei! Ansonsten hier ein Einblick in unsere tägliche Arbeit.

Der Link funktioniert jetzt.

Montag, 12. Oktober 2009

Waschtag

Gestern war Waschtag. Wir haben unsere Wäsche um 23 Uhr im Waschsalon in die Maschine geschmissen und die Frau um 23:45 Uhr gefragt, ob sie die den Laden nochmal kurz aufschließen kann, damit wir unsere Wäsche aus der Maschine holen können. Offiziell hat der Laden bis Mitternacht auf und wären wir 2 Minuten später zurückgekommen, wäre sie weg gewesen.

Leider haben wir keinen Wäscheständer. Unsere Strategie:

Als erstes wird der Kleiderschrank mit feuchten T-Shirts gefüllt, dann werden alle anderen Möglichkeiten, Kleidung aufzuhängen, ausgenutzt:
Ein echter Männerhaushalt.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Lebenszeichen

Huhu.

Wollte nur mal kurz schreiben, dass es mich noch gibt. Werde am Mittwoch meine erste Klausur (EM) schreiben und habe deshalb die letzten Tage in der Uni verbracht.

Was bemerkenswert ist, ist dass hier sogar am Samstag Abend Studenten rumhaengen. Die meisten Doktoranden im zweiten Jahr kennen weniger Leute in New York als Simon und ich, weil sie den ganzen Tag nur in der Uni sind!

Montag, 5. Oktober 2009

Chicken over rice

Direkt hinter dem Physikgebäude an der W 120th St[BILD FEHLT] gibts einen kleinen Stand, an dem zwei Kerle lecker Essen verkaufen. Mittags bildet sich da immer eine Traube von Menschen. Mein Favorit: Chicken over rice (5$). Lecker! Ich weiß allerdings langsam nicht mehr, ob 5-6$ für sowas viel oder wenig ist. 5$ sind momentan so 3,5€, Sandwiches gibts hier in der Gegend für 6,25$ (4,30€). Ist das billig? Hätte ich "viel" und "wenig" groß schreiben müssen?

Ansonsten am Wochenende passiert:
  • Freitag Simons Geburtstagsparty.
  • Samstag Oktoberfestparty ("Oktoberfest" bedeutet hier, dass es zwei kleine deutsche Bierfässchen gab; Der Gastgeber hat sich bei uns für die Bezeichnung entschuldigt und gemeint, es sei ihm unangenehm uns das als Oktoberfestparty zu verkaufen)

Ansonsten: Hätt ich bloß nicht das ganze letzte Jahr gefaulenzt!!! Und am Wochenende weniger getrunken..

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Man hat angefangen in Englisch zu denken..

..wenn man von der "Statue der Freiheit" redet.

Editierter Post: Und "Man hat angefangen IN Englisch zu denken" schreibt.