Montag, 14. September 2009

Living it up! (at the office)

Ahoi!
Ich hab' in letzter Zeit nichts geschrieben. Warum? Weil ich nicht viel erlebt habe.
Die Vorlesungen haben angefangen und die ersten Übungsblätter wollen gelöst werden.

Da wir unter der Woche schon in der Wohnung, die wir beziehen werden, wohnen durften, haben wir die Gelegenheit genutzt und Lauren, unsere Wohnungsfee, samt Anhang zum Abendessen eingeladen. Wir haben groß aufgekocht (Spaghetti Bolognese) und unsere Gäste waren nicht nur vom Essen selbst, sondern auch von der (anscheinend extrem unterhaltsamen) Zubereitung begeistert. Nach meinem berühmten Bananasplit waren dann auch alle satt, der Simon wirkte aber ein wenig fertig.Das war das soziale Highlight der letzten Tag und jetzt gehts zum interessanten Teil:
MEIN BÜROALLTAG!


Als Columbiastudent habe ich eine Columbia ID und weil ich ein Büro im Hause habe, kann ich damit unseren glamourösen Haupteingang mitten auf dem Campus (gaaaanz oben links in der Ecke)[BILD FEHLT]öffnen.

Ich teile mir mein Büro mit 7 Doktoranden. Mein Platz ist ganz hinten links (nicht da wo die Flaschen stehen, auf der anderen Seite, ganz hinten an der Wand) undmein Arbeitsplatz sieht inzwischen ungefähr so aus. Dort verbringe ich täglich mindestens 7 Stunden. Wir haben seit einer Woche Vorlesung und bleiben eigentlich immer den ganzen Tag in der Uni. Die anderen wissen die anderen viel (und denken abnormal schnell!) und ich hab' von Physik nicht mehr sooo viel Ahnung, deshalb versuche ich gerade, fachlich ein wenig aufzuholen. Mal gucken wie sichs entwickelt, wie gut wir wirklich relativ zu den ganzen Physikdoktoranden sind können wir noch nicht einschätzen. Wird auf jeden Fall ein Vollzeitjob.

Wenn wir nicht in unseren Büros sind hängen wir in der Graduate Student Lounge (auf der anderen Seite des Gangs) ab, in der es sogar eine blitzeblanke Mikrowelle gibt. Im 11. Stock (wir sind im 7.) gibt es einen Getränkeautomat, vor dem ich letztens einen Penny gefunden habe. Aber diese spannende Geschichte erzähle ich ein andermal...

Achja, am 11. September war ich übrigens die ganze Zeit im Büro und hab' mir zwischendurch den Brooklyn Kinderchor und ein paar Reden im Fernsehen angeguckt. Damit sollte ich auch den letzten Leser verloren haben.

Donnerstag, 10. September 2009

Let's go Mets! - Oder auch nicht.

Gestern waren wir bei einem Mets (Baseball) Spiel. Dazu mussten wir ewig weit (Queens) fahren. [BILD FEHLT]Direkt neben dem Metsstadion sind übrigens die US Open, und auf dem grünen Fleck unter der Pfeilspitze ist der Flushing Meadows Corona Park, den alle King Of Queens Fans sicher kennen (Foto aus der fahrenden U-Bahn):
Im Stadion haben wir uns natürlich erstmal Hot Dogs besorgt und dabei festgestellt, dass im Mets Stadion nicht das Volumen, sondern die Kalorien die Maßeinheit für Getränke sind. Verwirrend.

Wir haben die Karten über die Uni gekauft, deshalb waren sie billig (12$) und unsere Plätze recht weit oben:

Die Regeln sind (für Details schauts euch irgendwo im Internet genau an) ungefähr so:
  • Auf dem Spielfeld gibt es 4 Bases
  • Eine Mannschaft schlägt, die andere fängt.
  • Von der schlagenden Mannschaft steht ein Spieler mit einem Baseballschläger beim rechten oberen Base ("Homebase"), von der gegnerischen Mannschaft ein Spieler (der sogenannte "Pitcher") im hellen Kreis in der Mitte der Bases.
  • Der Pitcher wirft und der Schlagmann versucht, den Ball möglichst weit wegzuschlagen und alle Bases abzulaufen. Wird der Ball aus der Luft gefangen oder trifft er drei mal nicht, ist er draußen ("Out").
  • Wenn ers bis zu einer Base schafft, bevor der weggeschlagene Ball dort hingeworfen wird, kann er da warten bis der nächste schlägt und dann weiterrennen.
  • Schafft er es, einmal alle Bases abzulaufen, kriegt die Mannschaft einen Punkt.
  • Ein Spiel besteht aus 9 Innings.
  • In jedem Inning dürfen beide Mannschaften jeweils einmal schlagen und dabei 3 Outs haben.
Zusammengefasst: Ball weit wegschlagen, einmal im Kreis laufen.

So weit so gut. Wenn man an Baseball denkt, denkt man an spektakuläre, weit geschlagene Bälle. Nicht so bei den New York Mets. Glaubt man den Statistiken auf der riesigen Anzeigetafel, so trifft ein durchschnittlicher Profibaseballspieler ca. 1/4 der Bälle, die auf ihn geworfen werden:
Treffen bedeutet nicht, dass der Ball gut getroffen wird. WENN der Ball mal getroffen wurde, haben es die Spieler kaum zum ersten Base geschafft. Insgesamt haben es während der 9 Innings 9 Leute geschafft, einmal im Kreis zu laufen:
Die Mets haben das knapp dreistündige (!) Spiel verloren.

Fazit: Am Anfang wars ziemlich langweilig, aber wenn man nichts erwartet macht es Spaß zuzuschauen. Wir haben einen Homerun erlebt und saßen vor einem echten weiblichen Metsfan, der uns sehr gut unterhalten hat ("WAVE SULLIVAN!!!! SULLIVAN I KNOW YOU CAN HEAR ME!!! PLEASE WAVE!!!!", wave = winken, Sulliven = Typ auf dem Spielfeld)

Spannender: Der heutige Liveticker fürs Frauenfussball EM Finale!

P.S. Er hat nicht gewunken.

Dienstag, 8. September 2009

Columbia Bookstore

Heute war die erste Vorlesung. Das Thema meines Blogs ist deshalb ganz klar: Bürozeug einkaufen!

Alles was ich an Büromaterial mitgebracht habe, ist ein Druckbleistift (Faber Castell, 0.5mm). Das reicht nicht um Notizen zu machen und zu archivieren. Deshalb sind der Simon und ich heute zum Columbia Bookstore gelaufen, der praktischerweise direkt auf dem Campus liegt. Dort gibt es, außer Büchern natürlich, haufenweise Kleidung (diese zwei Bilder zeigen ca. 20% der vorhandenen Kollektion!), spottbillige Columbia-Spiralblöcke (8$ = 5,5€) und auch was sonst alles, was man als Columbia-Student braucht.
Für ca. 17$ (12€) habe ich mir einen Ordner und einen Locher gekauft (oben im Bild: Mein importierter Bleistift).Gewöhnungsbedürftig: In den USA haben gelochte Blätter 3 Löcher.Doof: Das Lineal an meinem Locher ist in Inches (1 Inch = 2,54cm).
Und worauf schreibe ich? Nachdem uns das Kopierpapier (4,80€ für 500 Blatt) ein wenig teuer vorgekommen war, wollten wir erstmal die anderen Studenten fragen, wie man hier billig an Papier kommt. Alle die wir gefragt haben meinten, jeder klaut sich das Papier aus den Druckern im Computerraum. Jetzt haben wir Papier.

Ansonsten heute erlebt:
Vor der Low Library gabs Mittags gratis Burger. Wir standen in der Schlange zu weit hinten und bekamen kein Fleisch mehr. Das Leben ist hart in New York City.

Montag, 7. September 2009

Spielgeld

Ich wollte schon lang mal was über meinen ersten Gedanken bezüglich des amerikanischen Geldes schreiben: ES IST WIE IN MONOPOLY!!

Münzenmäßig gibt es 1 ("Penny"), 5 ("Nickel"), 10 ("Dime") und 25 ("Quarter") Cent Münzen. An Scheinen gibt es 1, 5, 10, 20 und angeblich noch höhere, aber die kriegt man nicht am Geldautomaten ("ATM", automated teller machine).
Die Scheine erinnern mich an Monopoly, weil sie abnormal billig und wertlos aussehen. Sie sehen sogar noch wertloser als Monopolygeld aus und soweit ich informiert bin sind sie die am leichtesten zu fälschenden Scheine weltweit. Das Highlight ist die 1$ Note: Es gibt tatsächlich einen Geldschein, der 0,70€ Wert ist. Den zu fälschen würde sich wohl gar nicht lohnen.
Um mich reicher zu fühlen, habe ich mal angefangen, meine 70-Eurocent-Scheine beseite zu karren (man bekommt ziemlich viele). So sehen ca. 17€ (25$) aus:Wenn man die Scheine stapelt und mit einem Gummiband zusammenrollt, siehts nach nem Haufen Geld aus!
Ich überlege mir derzeit, das ganze Jahr über Dollarnoten zu sammeln, um am Ende ein Bad darin zu nehmen.

Tolles Schlussbild für diesen Eintrag: Der wundervolle Blick aus meinem Bürofenster (mit dreckigen Scheiben)

Sonntag, 6. September 2009

This is Chinatown!

Gestern waren wir in Chinatown.[BILD FEHLT]Chinatown ist, ob mans glaubt oder nicht, eine chinesische Stadt mitten in Manhattan. Sogar McDonaldsund die die Banken haben chinesische Aufschrift (Chase Bank kennt man von der Werbung bei den US Open, die übrigens in Queens sind).Was macht man da? Billig einkaufen! Wenn man durch die Straßen von Chinatown spaziert kriegt man so einiges billiger als im übrigen Manhattan. Beispiele:
  1. Äpfel: 5 Stück für 1$ (das sind 0,7€ !!)
  2. Lebendige Frösche: Nur 3,59$ das Pfund (ca. 0,45kg)!
  3. I love NY T-Shirts: 7 Stück für 10$ (am Battery Park bei der Fähre zur Freiheitsstatue zahlt man 5$ für 2)
  4. Chinesische Essstäbchen: Ok, ich weiß nicht ob man die sonst wo kriegt und wie teuer die sind, aber wer hat schonmal einen Laden gesehen der NUR Essstäbchen führt? (Ich bis gestern nicht)
Nachdem wir uns ein bisschen Obst gekauft und haufenweise chinesische Straßenverkäufer mit Handtaschen und Designerbrillen ignoriert hatten, haben wir uns ein Restaurant zum Abendessen gesucht.Die Restaurants in Chinatown sind übrigens auch recht preiswert. Wenn man das ein wenig nach Chlor schmeckende Leitungswasser trinkt, das man in den meisten Restaurants umsonst bekommt, wird man für ca. 5,5€ (inklusive Trinkgeld) satt!

Ansonsten nimmt die Erlebnisdichte hier im Moment ein wenig ab - ich verbringe viel Zeit in meinem Büro und muss mich auch ein bisschen von den letzten Wochen ausruhen, bis am Dienstag die Uni losgeht. Bemerkenswert ist wohl noch, dass wir am Donnerstag im Phantom der Oper am Broadway waren. Mir hat die Story und Musik von West Side Story besser gefallen, aber beim Phantom gibts auch echt gute Songs, wie z.B. das "Hauptthema" oder Masquerade.

Abgesehen davon noch erzählenswert: In der New Yorker U-Bahn gibt es Werbung für Erdnüsse. Nicht für eine Marke oder so, nein, einfach nur Werbung für die Erdnuss an sich! Saugeil. Anhand dieses letzten Absatzes sieht man, wie spannend mein Leben ist.

Donnerstag, 3. September 2009

Obdachlos.

Hallo. Mein Name ist Julian und ich bin einer von ca. 100 000 obdachlosen New Yorkern.
Aber von vorne:
Am Dienstag mussten wir aus unserem Apartment ausziehen und hatten noch keine Bleibe bis zum 18. September. Wo schläft man für die drei Wochen? Niemand vermietet ein Zimmer für nur drei Wochen zu einem vernünftigen Preis und drei Wochen im Hostel sind ziemlich teuer. Unser Alternativplan: Wir haben alle, die wir bisher kennengelernt haben, gefragt, ob wir ein paar Nächte bei ihnen auf dem Boden pennen können. Zum Glück haben wir ein paar gute Seelen auf unserer Seite, und so haben wir uns am Dienstag Schlafsäcke gekauft und übernachten jetzt bei diversen Leuten auf dem Boden, so z.B. dieses Wochenende im Wohnzimmer von Lauren,einer englischen Juristin. Morgen werden wir die letzten vier Nächte an vier verschiedenen Orten geschlafen haben - das ganze ist zwar anstrengend, hört sich aber schlimmer an als es ist. Entwarnung an Mama: Wir haben für die komplette Zeit schon Unterkünfte organisiert, werden also nicht unter der Brücke schlafen!
Impressionen:

Mein Schlafplatz von Dienstag auf Mittwoch:
unsere "Nachbarschaft" von Dienstag auf Mittwoch (Harlem halt):


Abgesehen davon ging die Einführung an der Uni los. Da wir beide Gaststudenten in einem Programm, in insgesamt 14 Leute zugelassen wurden, sind, war die Einführungsveranstaltung ziemlich intimund man hat die anderen schnell kennengelernt. Die Professoren haben uns von der Fakultät, den Forschungsmöglichkeiten und dem Aufbau des Studiums (für uns irrelevant) dort erzählt, es gab leckeres Essen und einem wurde gesagt wie alles abläuft. Highlights für mich als statussymbolorientierten Menschen:
  1. Eine wunderschöne blaue Mappe mit meinem Namen drauf!
  2. Und noch viel toller: Wir haben Büros bekommen! Eigentlich sinds nur kleine Parzellen in einem Büro für 10 Leute, aber hey, ich habe eine Büroadresse im Physikgebäude der Columbia University (mit Briefkasten, den ich mit 2 Leuten teilen muss).

Heute hatten wir dann jeder ein persönliches Gespräch mit unserem "Academic Advisor", der uns beraten hat, welche Kurse wir nehmen könnten und ab Dienstag (Montag = labour day = Feiertag in den USA) gehen die Vorlesungen los. Ich bin mal gespannt ob hier auch nur mit (Chlor)wasser gekocht wird.

Unterhaltungsmäßig waren wir Dienstag in West Side Story,einer amerikanischen Version von Romeo & Julia. Was man daraus vielleicht kennt ist "I feel pretty" oder "America". Ich fands gut, bin hundemüde und räum mir hier noch ein bisschen meinen Arbeitsplatz ein.

Schlussbemerkung: Columbia University Wlan ist offen!! D.h. jeder der sich auf dem Campus befindet kann einfach so da ins Internet, es stehen auch überall Computer rum an denen man sich nichtmal einloggen muss. Ich als Obdachloser finde das gut.